Das Edelmetall Gold im Walliser Tourismus

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Die Goldsuche fasziniert Menschen seit jeher und wird oft mit Begriffen wie Schatzsuche, Romantik oder harter Arbeit assoziiert. Sie hat gleichermassen Historiker und Schriftsteller in ihren Bann gezogen. So erstaunt es nicht, dass beispielsweise in der Napfregion bereits vor vielen Jahrhunderten nach dem begehrten Edelmetall gesucht wurde. Heute werden dort und in vielen anderen goldhaltigen Gebieten rund um den Globus Goldwaschkurse angeboten. Es stellt sich folglich die Frage, ob es im wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängigen Kanton Wallis ebenfalls Goldvorkommen gibt und allenfalls entsprechende Dienstleistungen angeboten werden könnten.

Mehr Berg- als Waschgold im Wallis

Die fundamentale Frage, ob im Kanton Wallis Goldvorkommen existieren, kann mit Ja beantwortet werden. Im Kanton Wallis sind die Goldminen von Gondo im Oberwallis sowie von Salanfe, in der Nähe von Martigny, historisch bekannt. Dort wurde vor allem Ende des 19.- und anfangs des 20. Jahrhunderts systematisch sogenanntes Berggold abgebaut. Das Gestein der Walliser Berge, besonders südlich der Rhone, ist vielerorts goldhaltig, wenn auch meist nur in kleinen Mengen. Im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz, gilt der Kanton Wallis jedoch als relativ arm an sekundären Goldlagerstätten. Die Mehrheit der touristischen Dienstleistungen rund um das Edelmetall Gold in der Schweiz basiert jedoch auf eben diesem Waschgold. So ist beispielsweise das Napfgebiet für seine beträchtlichen Goldflittervorkommen bekannt und in den Gewässern der Surselva können mit etwas Glück und viel Arbeit gar mehrere Gramm schwere Goldnuggets gefunden werden.

Napfgebiet und Disentis als Eldorado für Hobbygoldwäscher

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Obwohl in vielen Regionen der Schweiz goldhaltige Gewässer existieren, dürfen sich das Napfgebiet und insbesondere Disentis in der Surselva als Schweizer Eldorado für Hobbygoldwäscher bezeichnen. Dort werben dann auch touristische Dienstleistungsanbieter mit Goldwaschkursen um Feriengäste. Die als naturnahe Erlebnisse oder Abenteuer vermarkteten Attraktionen sprechen in erster Linie Familien, Schulklassen und Firmenausflüge an. Für einen Halbtageskurs bewegen sich die Preise für Erwachsene im Durchschnitt um rund 45.- CHF pro Person, für Kinder um rund 25.- CHF pro Person. Diese Kurse finden meist in grösseren Gruppen statt. Wer etwas Exklusiveres wünscht, kann bei den meisten Anbietern für rund 70.- bis 120.- CHF einen Fortgeschrittenenkurs oder Intensivkurs buchen. Da die Goldwaschsaison aufgrund der Wetterabhängigkeit zeitlich eingeschränkt ist und die Zielgruppen nicht zu den zahlungskräftigsten Touristensegmenten gezählt werden können, dürfte die Tätigkeit als Goldwaschkursanbieter kaum zum „Goldesel“ werden. Viel eher sind die Anbieter Idealisten, die ihr Hobby zum (Neben-)Beruf gemacht haben.

Kleines aber feines Angebot im Wallis

Wie bereits erwähnt, ist der Kanton Wallis mehr für seine Berggoldvorkommen als für Waschgoldlagerstätten bekannt. Es erstaunt deshalb nicht, dass aus touristischer Sicht die Faszination Gold in Gondo aufgrund der breiten Angebotspalette mit einer Kombination aus Minenbesichtigung und Goldwaschen herausragt. Laut dem Betreiber Rolf Gruber ist es in der Schweiz einmalig, dass man am selben Ort eine Goldmine besichtigen und am Bach Goldwaschen kann. Er nennt dieses kombinierte Tagesangebot als „ein Tag Goldabenteuer mit allem Drum und Dran.“ Ein halber Tag Goldwaschen oder Besichtigung der Goldmine kostet 55.- CHF pro Person, eine ganztätige Kombination der beiden Attraktionen 70.- CHF pro Person. Neben Faszination Gold gibt es im Wallis noch ein bis zwei weniger bekannte Goldwaschangebote, wie bspw. einen durch Val d’Anniviers Tourismus organisierten Einführungskurs in der Nähe von Zinal. Das Goldminen Museum im Stockalperturm Gondo bietet derweil Einblicke in eine Zeit, als in Gondo noch aktiv Gold abgebaut wurde. Obwohl die genannten Angebote rund um die Ressource Gold zweifelsohne dem Nischentourismus zuzuordnen sind, stellt sich die Frage, welche Voraussetzungen für eine allfällige Weiterentwicklung dieser Attraktionen erfüllt sein müssten.


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Weitsichtige Planung für Angebotsentwicklung unumgänglich

Goldwaschkurse und Minenbesichtigungen basieren auf dem Abbau des Edelmetalls Gold und können deshalb aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich dem Begriff Geotourismus zugeordnet werden. Tourismusformen, welche den Kriterien der Nachhaltigkeit nicht genügen, können jedoch dem Oberbegriff eines nachhaltigen Geotourismus nicht untergeordnet werden können. Es gilt daher, für zukünftige Erlebnisgestaltungen, folgende Schlüsselfaktoren zu berücksichtigen: Vermarktung einheimischer Produkte, Rücksicht auf die Natur sowie Gewährleistung der Sicherheit der Menschen. Für Letzteres geht die Hauptgefahr dabei von schnell ansteigendem Wasser und, im schlimmsten Fall, sogar von Sturzfluten aus. Angesichts des Umstands, dass vom Goldfieber getriebene Hobbygoldwäscher regemässig nicht nur sich, sondern auch Fauna und Flora nachhaltig gefährden, scheint eine bewusste Besucherlenkung zur Vermeidung von negativen Auswirkungen unumgänglich. Schliesslich sollte Gold nicht blenden, sondern weiterhin für glänzende Kinderaugen sorgen.

 

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