Angebote für Mikroabenteuer entwickeln

#Natur

Das Mikroabenteuer ist eine Philosophie und ein Erlebnis. Das Konzept hat sich in den 2010er-Jahren in den angelsächsischen Ländern entwickelt und kam 2017 auf Betreiben einer Handvoll Unternehmen auch nach Frankreich. Die Begeisterung für Mikroabenteuer wurde durch die Gesundheitskrise und die immer stärkere Suche nach Ausflucht in die Natur, nach Authentizität und Abschalten verbunden mit Umweltbedenken beschleunigt. In der Schweiz ist das Angebot an Mikroabenteuern bisher noch nicht wirklich vorhanden. Im benachbarten Frankreich ist es jedoch bereits gut strukturiert.

Das Mikroabenteuer: Aufenthalt und Überleben in der Natur

Die Idee des Mikroabenteuer ist es, in der Nähe des eigenen Wohnortes ein Abenteuer zu erleben - sei zu Fuss, mit dem Fahrrad, mit dem Pferd oder dem Kanu. Es sind Kurzaufenthalte «auf Wanderschaft», im Besten Fall mit Übernachten im Freien. Solche Aufenthalte ermöglichen das Eintauchen in die Natur weit weg von den Menschenmassen, um in aller Ruhe zu sich selbst zu finden. Für manche ist der Ansatz auch eine Kritik an der Konsumgesellschaft – sind doch auch günstige (oder gar keine) Kosten oft ein wichtiger Punkt bei den Mikroabenteuern, welche das Konzept für alle Einkommensklassen ermöglichen. Die Mikroabenteuer können zu jeder Jahreszeit ausgeübt werden und sind über das ganze Land verbreitet. Das Profil der Abenteuerfans: 25 bis 40 Jahre alt, meist Personen aus der Stadt, manchmal auch Familien.

Quelle : Trajectoires tourisme, Auvergne-Rhône-Alpes. Link.

Die französische Mikroabenteuer-Landschaft und ihre Akteure

Laut Amélie Deloffre, der Gründerin des Reiseführers "2 jours pour vivre" (2 Tage zum Leben) und der ersten Schule für Mikroabenteuer in Frankreich, gibt es drei Akteure, welche die Entwicklung des Mikroabenteuerangebots in Frankreich unterstützen: Erstens spezialisierte Reisebüros wie Explora project, das seine eigene Community entwickelt. Zweitens Medien wie Chilowé, welches sich nach und nach in ein Reisebüro verwandelt, oder The Other Life, ein Youtuber, der als Flaggschiff der Community gilt. Und drittens Apps und Routenplattformen wie Decathlon outdoor.

Die Unterbringung stellt jedoch teilweise eine Herausforderung dar. Denn Biwakieren - eine Nacht unter freiem Himmel schlafen - oder auch Wildcampen - mindestens zwei Nächte unter freiem Himmel - sind stark reglementierte Praktiken. Es sind nur wenige Biwaks erlaubt. Weitere Möglichkeiten sind das Übernachten in unbewachten Hütten in Berggebieten oder das Zelten bei Einheimischen über die Online-Reservierungsseite homecamper.

Quelle : Trajectoires tourisme, Auvergne-Rhône-Alpes. Link.

Die Vermarktung eines Mikroabenteuerangebots: die Erlebnisse in der Destination Gorges de l'Ardèche - Pont d'Arc

In Frankreich präsentiert die Destination Gorges de l'Ardèche - Pont d'Arc auf seiner Website rund 30 Angebote für Mikroabenteuer. Laut Marina Geray, Leiterin für digitales Marketing beim Tourismusbüro Pont d'Arc Ardèche, sind Mikroabenteuer ein Verkaufsargument für ihre Destination. Dabei besteht das Ziel nicht darin, Umsatz zu generieren. Im Übrigen sind 50 % dieser Angebote nicht kommerziell und 80 % können das ganze Jahr über genutzt werden. Für die Destination geht es vielmehr darum, die negativen Auswirkungen der Hochsaison im Sommer auszugleichen, indem sie etwas anderes als die großen Naturschauplätze mit hohem Bekanntheitsgrad zeigt. Dieses Angebot zielt also darauf ab :

  • die überlaufenen Gebiete zu verlassen, um verborgene "Perlen" zu entdecken
  • die Touristenströme mit folgender Botschaft besser zu verteilen: "Bei zwei stark frequentierten Sommermonaten bleiben zehn Monate völliger Ruhe - ein echtes Privileg".
  • die kleinen, für die Ardèche sehr identitätsstiftenden Akteure wie lokale Guides, Handwerker und Landwirte aufzuwerten, denn diese sind die authentischen Persönlichkeiten der Region, die einen grossen Wissensschatz zum Teilen haben
  • Urlauber mit Hilfe von Naturführern mit Gütesiegel und Verhaltensregeln für die Umwelt zu sensibilisieren.
  • Die Einheimischen mit Ideen zur Wiederentdeckung ihrer Destination zu verzaubern.

Mikroabenteuer-Angebot, 2 Tage, Herbst, Sommer, Frühling Gorge de l’Ardèche- Pont’Arc

Rezept für den Aufbau eines Mikroabenteuer-Angebots

Beim Aufbau eines Mikroabenteuer-Angebots sollen folgende Fehler vermieden werden:
Outdoor-Tourismus mit Mikroabenteuer zu verwechseln, sein Angebot und seine Anbieter ohne Vision neu zu verpacken oder das Mikroabenteuer an alle richten zu wollen. Die Falle für eine Destination besteht darin, einfach alte Angebote zu übernehmen und sie als Mikroabenteuer in den Katalog aufzunehmen. Zum Beispiel mit seinen Kindern einen Nachmittag lang Ziegen zu besuchen, ein Grillfest zu veranstalten, eine Fahrradtour zu machen oder Yoga auf einem Berg zu praktizieren.

Im Rahmen eines Webinars gibt Marina Geray einige Tipps, wie die Gestaltung eines Mikroabenteuerangebots angegangen werden kann:

  • Werte und Erwartungen des Mikroabenteuers identifizieren
  • Bestehendes Angebot prüfen und Angebote ausfindig machen, die der Destination entsprechen à sie können gemeinsam mit lokalen Anbietern zu einem Mikroabenteuer umfunktioniert werden
  • Angebote mit spannenden Möglichkeiten schaffen, d. h. eine Win-Win-Situation zwischen der Natur und den Einheimischen gestalten
  • Angebote mit neuen Akteuren, darunter Spezialisten für Mikroabenteuer, gemeinsam gestalten

Erkenntnisse für Schweizer Destinationen: ein kleiner Nachteil

Biwakieren, Wildcampen und die Nutzung von Wohnmobilen sind in der Schweiz stark reglementiert, wobei die Gesetze von Kanton zu Kanton und sogar von Gemeinde zu Gemeinde variieren. Komplexität und Verwirrung sind also vorprogrammiert. Und der Trend scheint eher in Richtung einer Verschärfung der Vorschriften zu gehen. Dabei ist die Schweiz für ihre spektakulären Naturräume bekannt und die Berge werden als der letzte Freiraum des Landes gesehen. Da die Outdoor-Freizeitaktivitäten im Winter wie im Sommer stark zunehmen, besteht jedoch die Gefahr, dass dieser Spielraum der Freiheit aufgrund seiner Auswirkungen auf die Umwelt noch weiter schrumpft.
In diesem zwiespältigen Kontext wird sich zeigen, ob Mikroabenteuerangebote trotzdem ihren Platz im Katalog der Schweizer Destinationen finden können. Eines ist sicher: Die Nachfrage ist vorhanden, denn die "Rückkehr" zur Natur ist ein Grundbedürfnis vieler Stadtmenschen.

Références

Trajectoires tourisme, Auvergne-Rhône-Alpes La micro-aventure : derrière une tendance à la mode, un vrai engagement durable, Webséminaire, 12 mai 2021

Trajectoire-tourisme, La micro-aventure : derrière la tendance à la mode, un vrai engagement durable, 25 juin 2023. Lien.