Bei der Analyse des digitalen Wandels zahlreicher Walliser Hotels in den letzten 20 Jahren lassen sich drei Erkenntnisse ableiten, die als Orientierung für die Zukunft und die notwendigen Anpassungen dienen können.
Nächste Herausforderung : die Optimierung
Da die Einführung grundlegender digitaler Tools inzwischen eine Sättigungsgrenze erreicht hat, sollte der Fokus künftig weniger auf der reinen Online-Präsenz, sondern verstärkt auf der Optimierung von Qualität und Funktionalität liegen. Die nächste Innovationswelle, geprägt durch den Einsatz von KI-gestützten Tools, dynamischer Preisgestaltung und fortschrittlichen CRM-Systemen, hat bereits begonnen. Um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, ist ein vertieftes Verständnis der bisherigen digitalen Entwicklung unerlässlich.
Ressourcen : unverzichtbar, um schnell voranzukommen
Knappe Ressourcen beeinflussen die Geschwindigkeit der Einführung: Hotels mit höherer Sternebewertung sind in der Regel Vorreiter bei der Einführung digitaler Technologien. Um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche zu gewährleisten, erscheint es notwendig, kleinen Betreibern mit begrenzten Ressourcen angemessene Unterstützung, Schulungen und finanzielle Hilfe anzubieten, damit sie die digitale Kluft überwinden können.
Stufenweise vorgehen
Hotels führen Innovationen schrittweise ein; oft beginnen sie mit einer einfachen Website, gehen dann zu Social Media über und schliesslich zu fortgeschritteneren Funktionen wie Buchungsmaschinen. Förderprogramme müssen diese verschiedenen Phasen berücksichtigen und einen einheitlichen Ansatz vermeiden.
Diese drei Feststellungen basieren auf einer neuen Studie von Prof. Roland Schegg, der die digitale Entwicklung von fast 400 Walliser Hotels zwischen 2000 und 2025 verfolgt hat. Genauer gesagt wurde die zeitliche Dynamik der Digitalisierung durch Hoteliers untersucht, wobei der Schwerpunkt auf drei Schlüsselphasen lag: der Einführung von Hotelwebsites, der Integration von Online-Buchungssystemen auf Hotelwebsites und dem Aufkommen von Links zu sozialen Netzwerken (z. B. Facebook, Instagram, YouTube).
Rückblick auf 20 Jahre digitaler Erfahrungen im Wallis
Die Studie zeigt, dass die Einführung digitaler Technologien kein einheitlicher Ansturm war, sondern eine Reihe unterschiedlicher Wellen, wobei sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Prioritäten herausbildeten.
- Der grundlegende Schritt: Website-Einführung als Basispräsenz
Die erste digitale Welle begann Anfang der 2000er Jahre mit dem Aufkommen von Hotelwebsites. Bis 2010 verlief das Wachstum eher langsam, wodurch die Grundlage für weitere Innovationen geschaffen wurde. Im Gegensatz zu komplexeren Tools war die Nutzung von Websites relativ gleichmässig über alle Hotelsegmente hinweg verteilt. Überraschenderweise gehörten einige kleinere und nicht klassifizierte Hotels zu den Early Adopters. Dies deutet darauf hin, dass eine grundlegende Online-Präsenz zugänglich war und als unverzichtbar angesehen wurde – auch ohne grosses Budget. Dieser Schritt markierte einen basisdemokratischen Einstieg in die Digitalisierung, der eher durch das Bedürfnis nach Sichtbarkeit als durch strategische Überlegungen motiviert war. - Zuerst Sichtbarkeit, dann Transaktionen: Social Media vs. Buchungsmaschinen
Obwohl Buchungsmaschinen technisch gesehen den sozialen Medien vorausgingen, verzögerte sich ihre Einführung erheblich bis nach 2012, als erschwinglichere und benutzerfreundlichere Tools auf den Markt kamen. Im Gegensatz dazu gewannen Links zu sozialen Medien, insbesondere Facebook, ab etwa 2010 rasch an Bedeutung und überholten bis 2015 schnell die Integration von Buchungsmaschinen. Diese umgekehrte Zeitachse spiegelt eine strategische Logik wider: Hotels priorisierten kostengünstige Sichtbarkeit und Kundenbindung, bevor sie sich der operativ komplexeren Herausforderung der Verwaltung direkter Online-Reservierungen stellten. - Trend: Von Präsenz zu Einfluss
Während Facebook ursprünglich der Treiber für die Verbreitung sozialer Medien war, hat sich sein Wachstum in den letzten Jahren abgeflacht. Seit 2018 hat Instagram an Bedeutung gewonnen, da Hotels zunehmend auf visuell orientiertes Branding setzen. Gleichzeitig haben Plattformen wie Tripadvisor und YouTube an Boden gewonnen, was die zunehmende Bedeutung von Online-Reputation, Bewertungen und immersiven Inhalten widerspiegelt. Diese Entwicklungen signalisieren einen reiferen Ansatz in der digitalen Kommunikation, weg von statischer Präsenz hin zu aktivem Einfluss und Narrativgestaltung.
Über die Studie
Die vollständigen Ergebnisse der Studie, die Sie unten einsehen und herunterladen können (nur auf Englisch verfügbar), wurden durch die Kombination zweier Ansätze erzielt. Zunächst erfolgte eine manuelle Analyse der Websites einer Liste von 396 Hotels im Wallis. Mithilfe von Wayback Machine konnten anhand von Webarchiven die ungefähren Erstellungsdaten der Websites ermittelt werden. Um die Identifizierung der Integration von Buchungsmaschinen und Links zu sozialen Netzwerken auf Wayback Machine zu automatisieren, wurde ein massgeschneiderter, auf Python basierender Web-Scraping-Ansatz entwickelt. Aufgrund von Einschränkungen hinsichtlich der Datenqualität (z. B. fehlende oder beschädigte Archive) konnte die automatisierte Analyse nur für eine validierte Teilstichprobe von 270 Hotels durchgeführt werden.
Dieser gemischte Ansatz ermöglichte es, eine Chronologie der Einführung digitaler Innovationen zu erstellen. Trotz einiger Einschränkungen bietet der Datensatz einen beispiellosen historischen Überblick über die digitale Transformation im Walliser Hotelgewerbe.
Einschränkungen: Die Ergebnisse spiegeln nur derzeit aktive Hotels wider. Einige ältere Hotels, die geschlossen wurden, den Besitzer gewechselt haben oder ihren Domainnamen geändert haben, fehlen. In den frühen 2000er Jahren nutzten viele Hotels gemeinsame Plattformen ohne eigene Domain, wodurch sie schwerer zu verfolgen waren. Neuere Hotels erscheinen ebenfalls erst spät in der Zeitleiste, einfach weil sie erst vor kurzem gegründet wurden.
Diese Analyse ist Teil des Flagship-Projekts «Resilient Tourism» von Innosuisse, das darauf abzielt, eine Transformation auf der Grundlage von Daten zu fördern, die im regionalen Tourismusökosystem der Schweiz gesammelt wurden. Das Projekt wurde von mehreren Akteuren des Walliser Tourismus unterstützt und gefördert, insbesondere von www.digitourism.ch (Cimark) sowie lokalen Tourismusorganisationen (Anniviers Tourisme, Crans‑Montana Tourisme, Nendaz Tourisme, Sierre‑Anniviers Marketing).
Schlussbericht (auf Englisch) : Diffusion of digital innovations in Valais hotels_October 2025
