Am 26. und 27. Mai 2026 bringt die Abschlusskonferenz des Innosuisse-Forschungsprojekts Resilient Tourism in Sierre Akteure der Transformation des Schweizer Tourismus zusammen. Getragen von sechs Schweizer Fachhochschulen — HES-SO Valais-Wallis, EHL Hospitality Business School, Lucerne University of Applied Sciences and Arts (HSLU), University of Applied Sciences of the Grisons (FHGR), University of St. Gallen und dem ICARE Institute — hat das Projekt in den letzten vier Jahren über 30 touristische Partner von der lokalen bis zur nationalen Ebene eingebunden. Ziel war es, Daten und digitale Technologien als zentrale Hebel für Resilienz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus zu erschliessen. 

Das Konferenzthema — „Scaling Smart: How Digital Is Shaping the Future of Tourism“ — bringt den aktuellen Wandel auf den Punkt. Es geht nicht mehr nur um die Einführung digitaler Tools, sondern darum, Daten strukturiert zu nutzen, Systeme zu integrieren und Lösungen skalierbar zu machen 

Die Teilnahme von Keynote-Speakern von Booking.com, Amazon Web Services (AWS) und MSC Cruises verleiht der Konferenz eine besondere Dimension: Sie schlagen die Brücke zwischen den Schweizer Entwicklungen und den globalen Dynamiken von Plattformökonomie, Cloud-Infrastrukturen und künstlicher Intelligenz — mit konkreten Implikationen für die Praxis.

Informationen und Anmeldung : Link zur Webseite

Ergebnisse für die Praxis

Ein zentraler Beitrag des Projekts liegt in der Entwicklung von konkret nutzbaren Instrumenten. Die Plattform tourismdata.ch bildet einen ersten Baustein für eine nationale Tourismusdateninfrastruktur (NaDIT). Sie geht über die reine Sammlung von Daten hinaus und stellt diese strukturiert, verständlich und in Form von konkreten Anwendungsfällen zur Verfügung. 

Fallstudien — etwa im Kanton Tessin — zeigen, wie durch die Kombination von Mobilitäts-, Transaktions- und Umfragedaten ein detailliertes Verständnis des Besucherverhaltens entsteht. Daraus lassen sich wertvolle Erkenntnisse zu Saisonalität, Herkunftsmärkten und Ausgabeverhalten gewinnen, die direkt in strategische und operative Entscheidungen einfliessen können. Die zentrale Erkenntnis: Daten entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie in Entscheidungen übersetzt werden.

Data als Governance Thema

Das Projekt macht gleichzeitig deutlich, dass datenbasierte Transformation kein Selbstläufer ist. Unterschiedliche Datenformate, fehlende Standards, technische Herausforderungen und Fragen der Datensicherheit erfordern eine klare Governance-Struktur. 

Initiativen wie die Arbeiten des Charter Mapping Core Group zeigen, wie durch Standardisierung, Mehrsprachigkeit und die Entwicklung von „AI-ready“-Daten die Grundlage für ein funktionierendes Ökosystem geschaffen werden kann. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Interoperabilität, sondern auch um digitale Sichtbarkeit in KI-getriebenen Systemen. Im Übergang vom klassischen SEO hin zum Generative Engine Optimization wird die Qualität und Struktur von Daten zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Von Daten zu Geschäftsmodellen

Neben Dateninfrastrukturen hat das Projekt auch wichtige Impulse für digitale Geschäftsmodelle und Prozesse geliefert. Eine umfassende Analyse von über 400 IT-Lösungen entlang der touristischen Wertschöpfungskette zeigt das Potenzial zur Effizienzsteigerung und zur Entwicklung neuer Angebote. 

Konkrete Beispiele sind ein Performance-Cockpit für Hotels, integrierte Ansätze wie die Verknüpfung von Unterkunft und Mobilität sowie Arbeiten zum Visitor Tracking und zur Akzeptanz von Datennutzung. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass Digitalisierung längst nicht mehr nur Marketing und Vertrieb betrifft, sondern zunehmend das operative Kerngeschäft und die Wertschöpfung im Tourismus verändert.

Resilienz simulieren : vorausschauend handeln

Ein weiterer zentraler Fortschritt liegt in der Möglichkeit, touristische Systeme zu modellieren und zu simulieren. Dadurch können Auswirkungen von Krisen, Nachfrageveränderungen oder strategischen Entscheidungen besser verstanden und antizipiert werden. 

Diese Ansätze ermöglichen es, Szenarien zu testen und deren Effekte auf Destinationen und Akteure zu analysieren. Damit entsteht ein leistungsfähiges Instrument, um von einer reaktiven hin zu einer proaktiven und strategischen Steuerung des Tourismus überzugehen — ein entscheidender Vorteil in einem zunehmend unsicheren Umfeld.

Ein Ökosystem für Innovation

Über die technischen Ergebnisse hinaus hat das Projekt ein lebendiges Innovationsökosystem geschaffen. Konferenzen, Podcasts, Videos und regionale Initiativen haben eine Community aufgebaut, die den Austausch zwischen Forschung und Praxis fördert. 

Programme wie das Coaching von KMU im Kanton Waadt zeigen, wie Wissen direkt in die Praxis übertragen werden kann. Gleichzeitig soll ein Travel Digital Transformation Hub die Zusammenarbeit auch nach Projektende weiterführen

Jetzt geht es um Skalieren

Die Ergebnisse des Projekts führen zu einer klaren Erkenntnis: Der Tourismus tritt in eine Phase ein, in der die Fähigkeit, Daten zu strukturieren und gezielt einzusetzen, über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. 

Die Konferenz in Sierre bietet die Gelegenheit, genau diesen nächsten Schritt zu diskutieren — gemeinsam mit führenden internationalen Akteuren und auf Basis konkreter Projektergebnisse. Ziel ist es, den Übergang von der Experimentierphase hin zu einer skalierbaren, datengetriebenen Transformation des Schweizer Tourismus zu gestalten.

Tourobs und seine Mitarbeiter haben an der Realisierung dieses Projekts mitgewirkt, insbesondere durch die Bereitstellung statistischer Daten zum Wallis und die Mitarbeit an den durchgeführten Analysen.

Wir freuen uns daher darauf, in Sierre die geladenen Referenten, die Forscher der verschiedenen Hochschulen und die Partner aus der Praxis, die an dem Projekt beteiligt waren, sowie alle an diesen Themen interessierten Personen zu treffen.